Für die meisten proktologischen Erkrankungen gibt es heute minimalinvasive Operationsverfahren, allerdings haben auch klassische Verfahren ihre Einsatzgebiete. Wir stellen Ihnen beide Verfahrensgruppen hier vor. Diese Information ersetzt nicht das persönliche ärztliche Gespräch.
Stapler-Verfahren
Ein Klammernahtgerät (sog. Stapler) kann in einem Arbeitsgang Gewebe entfernen und gleichzeitig die entstandene Schleimhautwunde mittels Mikroklammern wieder verschließen. Die gesetzten Klammern müssen in der Regel nicht entfernt werden, da sie sich nach einiger Zeit aus der Schleimhaut lösen und mit dem Stuhlgang den Darm verlassen. Der Eingriff erfolgt über den After. Eine sichtbare und schmerzhafte Wunde im Bereich der Afterhaut wird im Gegensatz zu klassischen konventionellen Verfahren vermieden.
Operation nach Longo — Stapler-Hämorrhoidopexie
Bei fortgeschrittenen Hämorrhoiden und beim Mukosaprolaps (Schleimhautvorfall).
Oberhalb der vorgefallenen Polster wird mittels Klammernahtgerät ein Ring überschüssiger Schleimhaut entfernt und die Wunde im selben Schritt verschlossen. Die Polster werden dadurch nach innen zurückgezogen, ihre Blutzufuhr wird gedrosselt. Die Naht liegt in einem Bereich, der kaum schmerzempfindlich ist. Der Eingriff ist in der Regel ambulant möglich.
STARR*
Beim Rektumprolaps und der Rektozele.
Über den After wird der vorgefallene Teil der Enddarmwand oder auch die Aussackung der Mastdarmwand (Rektozele) mit dem Klammernahtgerät entfernt und der Darm im selben Schritt wieder verbunden. So verschwindet das Hindernis (Rektumprolaps) oder die Aussackung (Rektozele), und der Enddarm kann sich wieder besser entleeren. Der Eingriff kann ambulant oder mit etwa zwei Tagen Aufenthalt durchgeführt werden, je nach Ausprägungsgrad der Erkrankung, Alter und Vorerkrankungen des Patienten.
Wann eine Bauchoperation nötig wird: Bei einem bereits vor den After vorgefallenen Mastdarm oder nach bereits stattgefundenen größeren Operationen im After- und Enddarmbereich wird über die Bauchhöhle operiert, meist in Schlüsselloch-Technik: Der Darm wird gekürzt und innen am Kreuzbein befestigt. Es gibt noch weitere operative Alternativen. Diese werden Ihnen bei Bedarf in der Sprechstunde erörtert.
Raffnaht-Verfahren
Vor allem bei Hämorrhoiden und beim Mukosaprolaps (Schleimhautvorfall).
Die zuführenden Blutgefäße werden abgebunden, die vorgefallene Schleimhaut wird mit einer Naht gerafft und nach oben angehoben. Gewebe wird nicht entfernt, es entsteht keine äußere Wunde.
TAMaR* und HAL-RAR*
Zwei Varianten desselben Prinzips: TAMaR arbeitet über ein spezielles Untersuchungsrohr (Proktoskop); HAL-RAR kommt ohne dieses Gerät aus und eignet sich vor allem bei sehr engem Analkanal. Welche Variante passt, besprechen wir gemeinsam.
Laser-Verfahren
Minimalinvasiv und besonders schonend für das umliegende Gewebe und den Schließmuskel.
Laser-Hämorrhoidoplastie (LHP*)
Die Lasersonde wird durch die Afterhaut in das Hämorrhoidenpolster eingebracht. Die Wärme lässt es von innen schrumpfen; Gewebe wird nicht herausgeschnitten.
FiLaC* (Fistel-Laser)
Eine feine Laserfaser wird in den Fistelgang eingeführt und verödet ihn von innen – der Schließmuskel wird dabei geschont.
Laserfissurektomie
Das Fissurgewebe und der narbige Randwall werden mit dem Laser abgetragen und verschorft; gesundes Gewebe heilt darunter ab.
Der Analabszess
Ein Abszess wird zeitnah eröffnet, damit der Eiter abfließen kann; Antibiotika reichen in der Regel zur alleinigen Therapie nicht aus. Ein weicher Kunststoffstreifen (Lasche) hält die Wunde offen, damit das Wundsekret abfließen und die Wunde von innen nach außen abheilen kann. Zeigt sich ein Gang durch den Schließmuskel, wird ein weicher Gummizügel in den Fistelkanal eingelegt, bis die Entzündung abgeklungen ist.
Konventionelle Verfahren
Die klassischen offenen Operationen – seit langem bewährt, vor allem bei ausgeprägten Befunden. Die Wunde heilt offen ab und braucht dafür etwas mehr Zeit.
Hämorrhoidektomie nach Milligan-Morgan
Das vergrößerte Polster wird mitsamt seinem Blutgefäß herausgelöst; die Wunde heilt offen ab.
Fissurektomie
Die Fissur mit dem narbigen Randwall wird abgetragen; der Schließmuskel wird geschont.
Kleine Eingriffe – einfache Entfernung
Viele harmlose Veränderungen am Afterrand lassen sich ambulant in einem kleinen Eingriff entfernen – in örtlicher Betäubung oder mit dem SEPTA-Verfahren. Dazu gehören unter anderem:
* Fachbegriffe
STARR – „Stapled Trans-Anal Rectal Resection“, eine Klammernaht-Operation am Enddarm · TAMaR – „Trans-Anal Mucopexie and Repair“, transanale Raffung · HAL-RAR – Hämorrhoidalarterien-Ligatur und rekto-anale Reparatur · LHP – Laser-Hämorrhoidoplastie · FiLaC – „Fistula Laser Closure“, Laserverschluss der Fistel
