Stuhlinkontinenz und Entleerungsstörung

Kontinenz und gezielte Stuhlentleerung sind ein fein abgestimmtes Zusammenspiel vieler Muskeln und Strukturen. Gerät es aus dem Gleichgewicht, entstehen zwei Arten von Beschwerden. Bei einer Stuhlinkontinenz gehen Stuhl oder Winde unwillkürlich ab, weil der Verschluss des Afters undicht geworden ist. Das ist häufiger, als viele denken, und wirklich kein Grund zur Scham. Bei einer Entleerungsstörung gelingt die Entleerung nur unvollständig, oft mit starkem Pressen, weil Enddarm, Beckenboden und Schließmuskel nicht mehr richtig zusammenarbeiten. Die drei kurzen Videos erklären, wie das Kontinenzorgan funktioniert, welche Schweregrade es gibt, welche Ursachen dahinterstehen, vor allem der Rektumprolaps und die Rektozele, und was heute hilft. Auch ohne Vorfall kann die Ursache eine Koordinationsstörung der Beckenbodenmuskeln oder eine Nebenwirkung von Medikamenten sein. Ein ungewollter Stuhlabgang kann außerdem durch einen geschädigten Schließmuskel, etwa nach Geburten oder Operationen, oder durch dünnen Stuhl begünstigt werden. Die Bilder zeigen den Halte-Winkel im Normalfall und bei einer Schwäche.

Melinda erklärt: Kontinenz und Stuhlentleerung

Hinweis: Dieses Video wird von „Melinda“ präsentiert – einer KI-gestützten Sprecherin, die unsere Praxis dabei unterstützt, medizinische Themen verständlich aufzubereiten. Die medizinischen Inhalte stammen von Dr. med. Frank Schaudig.

Diese Information ersetzt nicht das persönliche ärztliche Gespräch.

Zum Nachlesen: der Text des Videos

Hallo, ich bin Melinda, die digitale Assistentin der Praxis.

Damit wir den Stuhl sicher halten können, müssen alle Faktoren des Kontinenzsystems abgestimmt zusammenarbeiten. Die Summe aller beteiligten Faktoren nennt man das Kontinenzorgan.

Ein wichtiger Faktor ist der Beckenboden – eine Muskelplatte aus verschiedenen muskulären Anteilen. Er hält die Organe des kleinen Beckens – Mastdarm, Harnblase und Gebärmutter – in ihrer Position. In Richtung After verjüngt sich der Beckenboden wie ein Trichter. Das Ende dieses Trichters bildet die Schließmuskulatur – sie ist somit selbst ein Teil des Beckenbodens.

Man unterscheidet zwei Schließmuskeln. Der innere Schließmuskel arbeitet unwillkürlich – er hält von allein dicht, Tag und Nacht. Der äußere Schließmuskel lässt sich zusätzlich bewusst anspannen, wenn es darauf ankommt.

Ein weiterer wichtiger Muskel des Beckenbodens ist die Puborektalis-Schlinge. Sie zieht den Enddarm nach vorne und bildet so einen Knick, den sogenannten anorektalen Winkel. Dieser Knick wirkt wie ein zusätzliches Ventil, das den Stuhl zurückhält.

Senkt sich der Beckenboden – etwa durch Belastungen wie eine Schwangerschaft oder ständiges Pressen, oder durch eine muskuläre Schwäche bei zu wenig Bewegung –, verändert sich die Lage dieser Organe. Das kann ihre Funktion erheblich beeinträchtigen.

Auch die feinen Gefäßpolster im Analkanal – die Hämorrhoiden – dichten mit ab und sorgen für den letzten Feinschluss.

Damit das Zusammenspiel gelingt, meldet der Enddarm laufend, ob und was sich ansammelt. Feine Sinneszellen unterscheiden sogar, ob es sich um Luft, um flüssigen oder um festen Stuhl handelt – so weiß der Körper, ob er getrost Winde ablassen kann oder besser wartet.

Bei der Entleerung kehrt sich das Zusammenspiel um. In sitzender oder leicht hockender Haltung streckt sich der Knick, die Puborektalis-Schlinge und die Schließmuskeln entspannen sich, der Enddarm zieht sich zusammen, und mit etwas Bauchpresse gleitet der Stuhl nach außen.

Ein wichtiger Rat zum Schluss: Dieses feine Zusammenspiel kann an vielen Stellen gestört sein – dann kommt es zu ungewolltem Stuhlverlust oder umgekehrt zu einer erschwerten Entleerung. Was dann helfen kann, erklären wir in den Kapiteln Stuhlinkontinenz und Stuhlentleerungsstörung. In unserer Sprechstunde finden wir gemeinsam heraus, welcher Teil betroffen ist.

Der Halte-Winkel

Im Normalfall – spitzer Winkel

Kleines Becken im seitlichen Schnitt: der anorektale Winkel ist eingezeichnet und spitz

Der Beckenboden ist eine durchgehende Muskelplatte vom Schambein zum Steißbein. Ihr Anteil um den Übergang vom Analkanal zum Mastdarm zieht diesen nach vorne und knickt ihn ab. Dieser spitze Winkel hält zusammen mit dem geschlossenen Schließmuskel den After dicht.

Bei einer Beckenbodenschwäche – flacher Winkel

Kleines Becken im seitlichen Schnitt: der eingezeichnete anorektale Winkel ist flach

Senkt sich die Muskelplatte ab, wird der Winkel flach und knickt den Übergang nicht mehr wirksam ab. Zusammen mit einem geschwächten Schließmuskel kann Stuhl unbemerkt entweichen.

Melinda erklärt: Stuhlinkontinenz

Hinweis: Dieses Video wird von „Melinda“ präsentiert – einer KI-gestützten Sprecherin, die unsere Praxis dabei unterstützt, medizinische Themen verständlich aufzubereiten. Die medizinischen Inhalte stammen von Dr. med. Frank Schaudig.

Diese Information ersetzt nicht das persönliche ärztliche Gespräch.

Zum Nachlesen: der Text des Videos

Hallo, ich bin Melinda, die digitale Assistentin der Praxis.

Bei einer Stuhlinkontinenz gehen Stuhl oder Winde unwillkürlich ab — der Verschluss des Afters ist undicht geworden. Das ist häufiger, als viele denken, und wirklich kein Grund zur Scham. Es gibt verschiedene Schweregrade, je nachdem, welche Stuhlkonsistenz nicht mehr kontrolliert werden kann. Bei der erstgradigen Inkontinenz lassen sich die Winde nicht mehr zurückhalten, bei der zweitgradigen Form kein dünner Stuhl und bei der drittgradigen Form selbst fester Stuhl nicht mehr.

Damit wir Stuhl sicher halten können, müssen Schließmuskeln, Beckenboden, Nerven und die Wahrnehmung im Enddarm zusammenarbeiten. Auch die Beschaffenheit des Stuhls spielt eine wichtige Rolle.

Eine Stuhlinkontinenz bedeutet deshalb nicht automatisch, dass der Schließmuskel beschädigt ist. Mögliche Ursachen sind beispielsweise Muskelverletzungen, Veränderungen der Nervenfunktion, Durchfall oder ein Enddarmvorfall. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen. Die Untersuchung hilft uns, diese Ursachen zu unterscheiden.

Manchmal steckt auch ein tiefer Rektumprolaps dahinter: Taucht der Vorfall weit in den Analkanal ein, kann der Schließmuskel nicht mehr richtig schließen. Mehr dazu erklärt das eigene Kapitel zum Rektumprolaps.

Vieles lässt sich bessern. Oft helfen eine Anpassung der Stuhlkonsistenz und eine gezielte Beckenbodentherapie, gegebenenfalls mit Biofeedback.

Wenn das nicht ausreicht, prüfen wir weitere Möglichkeiten. Bei ausgewählten Patienten kommt eine sogenannte sakrale Neuromodulation infrage. Dabei beeinflusst ein kleines Gerät mit elektrischen Impulsen die Nervensteuerung der Darm- und Schließmuskelfunktion. Zunächst wird in einer Testphase geprüft, ob die Beschwerden ausreichend zurückgehen. Liegt eine Beckenbodensenkung oder ein Rektumprolaps zugrunde, kommen je nach Befund auch operative Verfahren in Frage, zum Beispiel die Anhebung und Fixierung des Darms.

Ein wichtiger Rat zum Schluss: Sprechen Sie das Thema ruhig an, auch wenn es Überwindung kostet — Sie sind damit nicht allein, und in den allermeisten Fällen lässt sich etwas verbessern. In unserer Sprechstunde finden wir gemeinsam den passenden Weg.

Melinda erklärt: die Stuhlentleerungsstörung

Hinweis: Dieses Video wird von „Melinda“ präsentiert – einer KI-gestützten Sprecherin, die unsere Praxis dabei unterstützt, medizinische Themen verständlich aufzubereiten. Die medizinischen Inhalte stammen von Dr. med. Frank Schaudig.

Diese Information ersetzt nicht das persönliche ärztliche Gespräch.

Zum Nachlesen: der Text des Videos

Hallo, ich bin Melinda, die digitale Assistentin der Praxis.

Damit der Stuhl geordnet nach außen gelangt, müssen Enddarm, Beckenboden und Schließmuskel zusammenspielen: Beim Pressen entspannt sich der Beckenboden, der Enddarm schiebt den Stuhl Richtung After, und der Schließmuskel gibt ihn frei.

Bei einer Entleerungsstörung — medizinisch obstruktive Defäkationsstörung — ist dieses Zusammenspiel gestört. Die Entleerung gelingt nur unvollständig, und oft ist starkes Pressen nötig.

Eine häufige Ursache ist ein Rektumprolaps. Beim Pressen wird der Vorfall selbst in den Analkanal gedrückt und blockiert die Entleerung — und je mehr man presst, desto stärker wird die Blockade. Eine paradoxe und für die Betroffenen sehr belastende Situation.

Eine weitere Ursache ist die Rektozele — eine Aussackung der vorderen Enddarmwand in Richtung Scheide. Beim Pressen sammelt sich Stuhl in dieser Tasche und wird nur nach und nach wieder abgegeben. Das erzeugt das Gefühl einer unvollständigen Entleerung und das sogenannte Nachschmieren. Auch ohne Vorfall kann die Ursache eine Koordinationsstörung der Beckenbodenmuskeln oder eine Nebenwirkung von Medikamenten sein.

Leichtere Formen bessern sich oft schon durch einen weicheren, geformten Stuhl, ein angepasstes Entleerungsverhalten und gezieltes Beckenbodentraining, auch mit Biofeedback. Reicht das nicht, richtet sich die weitere Behandlung nach der Ursache. Eine Operation ist nur bei ausgewählten Befunden sinnvoll — die operativen Möglichkeiten sind auf den Seiten zu Rektumprolaps und Rektozele beschrieben.

Ein wichtiger Rat zum Schluss: Wenn die Entleerung dauerhaft schwerfällt oder Sie stark pressen müssen, warten Sie nicht aus falscher Scham. In unserer Sprechstunde klären wir die Ursache und finden gemeinsam den passenden Weg.

Eine häufige Ursache: der Rektumprolaps

Ausführlich: Rektumprolaps & Behandlung →

Eine weitere Ursache: die Rektozele

Ausführlich: Rektozele & Behandlung →

Die Behandlung richtet sich nach dem Befund, Ihrem Gesundheitszustand und Ihren Wünschen.Welche grundsätzlichen operativen Möglichkeiten in der Proktologie bestehen, sehen Sie auf der Seite Proktologische OP-Verfahren →
 
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